Fast jede App braucht irgendwann Geodaten: eine Adresse zu Koordinaten auflösen, eine Karte anzeigen, eine Route berechnen, nach Umkreis suchen. Der bequeme Weg ist, das an Google Maps oder Mapbox auszulagern. Wir gehen bewusst einen anderen Weg und betreiben Geocoding, Karten und Routing selbst — auf unserem eigenen Server in Wien. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unsere Österreich-Geoplattform: 2,5 Millionen Adressen und 4,5 Millionen 3D-Gebäude aus amtlichen Open Data (Stand 06/2026), Autocomplete in 10 bis 85 Millisekunden, neun Datenbestände, die sich jede Nacht vollautomatisch aktualisieren — über atomare Blue/Green-Umschaltungen, sodass der Dienst während der Aktualisierung verfügbar bleibt. Vier Gründe stehen hinter dieser Entscheidung.
Erstens Datenschutz — und zwar nicht als Formalie. Eine Adresse oder ein Standort ist ein personenbezogenes Datum im Sinne der DSGVO. Jedes Mal, wenn eine App die Adresse eines Nutzers an Google schickt, um sie zu geokodieren, verlässt dieses Datum deine Kontrolle und wandert typischerweise auf US-Server. Bei uns passiert die Auflösung auf einem Server in Österreich. In der RetterApp haben wir das konsequent durchgezogen: Geocoding läuft ausschließlich über einen Backend-Proxy, die App spricht nie direkt mit einem externen Geo-Dienst, und aus hochgeladenen Fotos entfernen wir EXIF- und GPS-Daten, bevor sie gespeichert werden.
Zweitens Datensouveränität. Wenn dein Kernprozess von einem externen Anbieter abhängt, gibst du Kontrolle ab, die du im Zweifel nicht zurückbekommst. Preismodelle ändern sich, Nutzungsbedingungen werden verschärft, Funktionen verschwinden, Kontingente werden gedrosselt. Ein selbst betriebener Geodienst läuft nach deinen Regeln weiter — auch im eigenen Haus oder offline, in Netzen ohne Internetanbindung, wo ein Cloud-Dienst schlicht nicht funktioniert.
Drittens Kosten, die bei Wachstum nicht explodieren. Kommerzielle Geo-APIs rechnen pro Abfrage ab. Solange eine App klein ist, fällt das kaum auf; wächst sie, wächst die Rechnung mit jeder Suche mit — bis der eigene Erfolg zum Kostenproblem wird. Ein selbst betriebener Dienst kostet Aufwand im Aufbau, skaliert danach aber mit deiner Hardware statt mit einem Zähler beim Anbieter.
Viertens Datenqualität. Wir setzen auf amtliche österreichische Open Data — das BEV-Adressregister, basemap.at, den GIP-Straßengraph. Das sind die offiziellen, gepflegten Datenbestände des Landes, nicht eine weltweite Näherung. Für Anwendungen mit Österreich-Bezug ist das schlicht die genauere Grundlage.